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Kärnten

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Atlantis

Gast
Im Licht der Scheinwerfer bahnte sich der Wagen seinen Weg über die vereiste Straße. Dichte Wolken türmten sich am schwarzen Nachthimmel, die es dem Mond verwehrten, sein Licht auf die schneebedeckte Landschaft zu scheinen. So waren die Berghänge und Wälder nur schemenhaft zu erkennen.
Im Auto war es so kalt, das der Atem in kleinen weißen Fahnen sichtbar vor den Gesichtern schwebte.
Alle saßen still, dankbar um die warme Kleidung und gespannt auf das, was sich in den nächsten Augenblicken offenbaren würde.
Jeder hing wohl seinen eigenen Gedanken nach.
Wir waren noch nicht allzulange gefahren, jedoch ausserhalb jeder Ortschaft, als das Auto unvermittelt am Strassenrand zum Stehen kam.
Ab hier mußte es zu Fuß weiter gehen.
Wir folgten einem kleinen Bachlauf, der sich vom Eis nicht bannen lassen wollte.
Eisig und beharrlich sprang er über flache Steine hinweg , schlängelte sich gurgelnd und sprudelnd an bizarren Eisgebilden entlang, die sich an seinem Uferbett bildeten.
Im unwirklich scheinenden Licht, einer Schneenacht führte uns der Weg vorbei an rauhen Felswänden, einen Pfad bergauf, direkt in den Wald.
Auch hier war es aufgrund des Schnees nicht gänzlich finster.
Eine gedrungene , hölzerne Brücke duckte sich über den Bach, vor ihr , auf einem Holzpfahl, ein magisch anmutender Turm aus Steinscheiben.
Über jene Brücke stiegen wir nun hinweg, und es fühlte sich grad so an, als würden wir nun das Menschenreich verlassen, und in eine andere Welt eintauchen.
Ich fragte mich noch, was der seltsame Steinturm mir denn sagen wollte aber das Schritttempo meiner Gefährten zog mich mit.
Der steil ansteigende Pfad säumte sich unter Nadelgehölzen hindurch. Harter Schnee knirschte laut unter den Sohlen und mahnte acht zu geben, um nicht auszurutschen.
Sehr präsent und stark lagen die hoch aufragenden Felsen nun zu unserer Rechten, während links von uns eine steile Böschung in die Tiefe fiel, in der man den Bach sein eisiges Lied singen hörte.
Immer wieder blickte ich alarmiert in die Tiefe, wenn wie aus dem Nichts, Steine geräuschvoll in die Tiefe kollerten, doch ausser Finsternis und wagen Umrissen von Bäumen und Abhang war nichts zu erspähen.
Irgendetwas raunte mir zu:
Ihr gehört nicht hier her, nicht jetzt, ihr stört.
Unbehaglich tat ich dies als Einbildung ab, konzentrierte mich auf meinen Weg, beobachtete meinen schneller werdenden Herzschlag, spürte, wie mir immer wärmer wurde, ob des ungewohnten , steilen Auftiegs.
Einer unserer Scouts war Dragon .D. Ruffy. Zielsicher und unbeirrt ging er uns mit einer Taschenlampe voran. Wir baten ihn, sie einzuschalten, aber er gab zu verstehen, daß wir sie später nötiger bräuchten, was keineswegs dazu führte, mich entspannter zu fühlen.
Die Expeditionsleitung lag bei Liza, einer erfahrenen und ortskundigen Zigeunerin, die der Wind in diese Gegend gebracht hatte.
Dann waren da wir, die Expeditionsteilnehmer, zwei Erwachsene , ihres Zeichens Abenteurer, eine sechsjährige bezaubernde, mutige , junge Dame und Freundin des Feenreiches, deren Ziel es in dieser Nacht war, die Drachen aufzuspüren, die hier seit dem Beginn der Zeit existieren sollten.
Ebenfalls mit von der Partie war unser Fährten- und Spürhund Lucky, dem es nicht schnell genug gehen konnte.
Er hatte bereits eine Fährte aufgenommen.
Dragon .D. Ruffy schritt wie gesagt voran, Ramira, Regenbogen Lucky und ich bewegten uns im Mittelfeld und Liza schritt , völlig in sich ruhend am Schluß hinter uns.
Während Regenbogen und Lucky voller Tatendrang schienen, stiegen in mir mit jedem weiteren Schritt, den wir uns in dieses Reich vorwagten finstere Ahnungen auf, die ich tapfer beiseite schob.
Und doch raunte es immer wieder: was, wenn hier einem von euch etwas zustößt?
Kein Rettungsteam dieser Gegend kann hier schnell genug helfen, bevor man erfrohren ist. -
So stieg ich beklommen immer weiter bergan, teils ängstlich , auf der anderen Seite , wie einem Flüstern folgend:
Kommt, kooommmt, weiiiiter, weiiiiter .
So war ich hin und her gerissen, hörte das lockende Flüstern, aber auch das Raunen: kehre um, Gefahr.
Doch ich schritt fast wie hypnotisiert immer hinter dem jungen Scout, mit den langen schwarzen Haaren her,
fragte mich, was ich hier eigentlich tat, und doch ging ich immer weiter, wie von einem unsichtbaren Magneten angezogen.
Und während ich einerseits umkehren wollte, war da doch diese grenzenlose Faszination, die Magie des Ortes, die überall so stark spürbar war, das es mich stetig weiter trieb.
Während ich also diesen Gedanken nachsann , endete unser Pfad abruppt an einer hölzernen Sperre.
Es gab nur einen schmalen Durchgang, den wir durchschritten.
Dahinter öffnete sich eine breite, flache, baumlose, schneebedeckte, offene Ebene.
Im Licht des Schnees , erhob sich im perfekten Schwarz, am Ende der weißen Fläche, ein kleines , verwunschenes Haus.
Kein Lichtschein ging von ihm aus.
Beim Nährkommen erkannten wir eine Umzäunung, auf deren Pfosten Wächter thronten. Drachenähnlich, hölzern, streckten sie sich in die Dunkelheit, mahnend und stark.
Staunend, fast etwas ehrfürchtig schritt ich an ihnen vorbei.
Welche Festung, welches Bollwerk lag hier, an wieder einer spürbaren Grenze?
Wir hatten die Seite des Hauses passiert, da riß die Wolkendecke auf, und Großmutter Mond ließ ihr fahles, silbriges Licht zu uns scheinen.
Mit angehaltenem Atem schaute ich mich um. Das Haus, was trotz seiner Schwärze und Schatten beruhigend auf mich wirkte, wie von guten Geistern beseelt, und vor dem Haus eine große Waldlichtung, die Schneedecke lediglich durch die Spuren von Waldtieren durchkreuzt.
Lange Zeit zum Verharren blieb mir nicht, denn Dragon . D. Ruffy ging mit zügigem Schritt nun im 90° Winkel nach links.
Hier endete die Lichtung rasch und wir gelangten an eine gefaßte Quelle. Unser Scout ließ den Schein der Taschenlampe über sie streichen. Er tat es voller Respekt , und auch wir bestaunten ehrfürchtig die Eiszapfen und Vorhänge, die die Eisgeister hier gebildet hatten.
Die Quelle ergoß sich so üppig über den Weg, daß wir uns den Weg durch einen vereisten Wasserlauf suchen mußten, vorsichtig, um nicht auszugleiten.
Was nun folgen sollte, hätte ich mir nicht träumen lassen.-
Der Weg hier war nur sehr schmal, führte steil bergan, wand sich vorbei an hoch aufschießenden Felswänden, und fiel an der anderen Seite fast senkrecht in die Tiefe.
Der Pfad schlängelte sich unter umgestürzten Bäumen hindurch, war immer wieder durch Seile gesichert, die einen vor dem Sturz in die Tiefe bewahren wollten.
Es ging über wackelige Hängebrücken, hölzerne Stege, durch Wasserläufe, wo unsere Füße nur dürftig Halt auf vereisten dicken Steinen fanden, die wie dunkle Schildkrötenpanzer aus dem eisig sprudelndem Wasser ragten.
Ruhig und sicher leuchtete uns Dragon den Weg.
Liza dirigierte uns erfahren und beruhigend über vereiste Felsvorsprünge, löchrige Stiegen und vereistes Geröll.
Lucky mußte ich immer häufiger tragen.
Der Atem stockte mir und der Herzschlag gleich mit, als Regenbogen in ein Loch trat, geradewegs unter dem Halteseil hindurch rutschte, wohinter sich ein gähnender , felsiger Abgrund befand.
Geistesgegenwärtig ergriff sie mit einer Hand das Seil, und zog sich wieder auf den Weg.
Ich hörte das Blut in meinen Ohren rauschen, Eisbach in der Tiefe sein Lied singen, den Schnee unter den Schuhen knirschen. Ansonsten tiefe Stille .
Und während wir immer noch weiter bergan stiegen, erhaschte ich im Schein der wandernden Taschenlampe , Blicke auf verzauberte , halb gefrohrene Wasserfälle, und riesige Eiszapfen, Bäume , Felsen.
Und obwohl es still war, vernahm ich das Raunen der Geister , die hier waren, stark, erdig, mystisch, unbeschreiblich...-
Nachdem wir die sterblichen Überreste einer uralten Wassermühle passiert hatten, und immer noch weiter bergan stiegen, kamen wir, ohne das ich es wußte, zu unserem Ziel.
Jetzt kamen sie, die ersten Schlafplätze der Drachen. Tiefe Nischen unter Felsvorsprüngen, gepolstert mit welkem Laub, Schutz bietend vor den Launen der Wettergeister.
So unvermittelt waren sie plötzlich da, so selbstverständlich, so unverkennbar, so eindeutig. Die Gegenwart der Drachen so präsent, so spürbar.
Ein Feuerwerk der Gefühle.
Dann führte uns Dragon noch in eine größere Höhle, er geleitete , zu unserer Sicherheit jeden von uns einzeln, ruhig und geduldig.
Ich traute mich nicht recht, aber er ermutigte mich so sicher und in sich ruhend, daß auch ich mich vorwagte.
Der Weg führte noch weiter, aber unsere Scouts beschlossen an dieser Stelle, daß es ab nun zu steil und zu gefährlich wurde, und das ab nun für unsere Sicherheit nicht mehr günstig bestellt sei.
Ich hatte das Gefühl, daß Ramira etwas sehnsüchtig schaute, aber ich wurde bei dem Gedanken an den Rückweg , gleich etwas mutiger.
Obwohl es so zauberhaft, magisch und schön war, wurden mit jedem Schritt zurück, meine Gefühle leichter.
Wieder bei der Elfenquelle hätte ich hüpfen mögen, so gut war mir zumute.
Auf der Lichtung schauten Regenbogen und ich gleichzeitig zum Himmel über dem Wald mit den Höhlen, und da sahen wir ihn fliegen. Einen Drachen, im Silberlicht von Großmutter Mond. -
Wir sprachen nicht, aber beim restlichen Abstieg hüpfte mein Herz vor Freude und Dankbarkeit .
Lange hatte der Weg gedauert, Stunden, aber nachdem wir über die Brücke und vorbei am Steinturm waren, zeigte die Uhr lediglich , eine verstrichne Stunde.
Jaah, in den Feenreichen verstreicht die Zeit anders, als in unserer Welt.
Die Rückfahrt im Auto habe ich kaum in Erinnerung, aber irgendwann fand ich mich in Liza's gemütlichen Stube wieder, mit einem dampfenden Becher Kräutertee in den Händen.

Ja ihr lieben Forengeschwister, so teile ich eines meiner kärntener Abenteuer mit euch.
Ich hoffe, ich konnte euch ein Stückchen mitnehmen, konnte euch sehen und spüren lassen, und ich hoffe, es hat euch ein bisschen gefallen.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal unseren Scouts Dragon .D. Ruffy und Liza von Herzen danken.
Danke, danke, danke, ihr zwei wunderbaren Seelen.

Herzensgrüße an euch alle,

Biggi
 
S

SW

Gast
@"Ich hoffe, ich konnte euch ein Stückchen mitnehmen, konnte euch sehen und spüren lassen, und ich hoffe, es hat euch ein bisschen gefallen."

:DH:LS::DH ....ooohhhh jaaaaa! Es hat gefallen, und wiiiiie! Und ich war mit euch mit (wenn auch grad im Morgenmantel:D) - es war eine spannende, kühl erfrischende Geschichte voller Zauber, die du uns allen da gebracht hast, liebe Biggi - DANKE!
EIne herzliche Umarmung und einen wundervollen Tag dir, alles Liebe, Sabine:BS:
PS: ich glaub, ich trink jetzt auch einen heißen Tee ......:rolleyes:
 
L

Lichtblicke

Gast
:mrmng:wie schön - unser Besuch im Drachenland beim Liebenfelser Wasserfall.

ja, seit Biggi und Ciara da waren weiß ich, dass es Frostdrachen gibt - da staunt ihr, was:rolleyes:? wir konnten nur ihre gelb funkelnden Augen sehen - und ihre Schlafplätze...

Liza
 
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Micha

Gast
Mei, erst Liedtexterin, nun auch noch Geschichtenschreiberin. :DH:LS: Danke liebe Biggi, du hast mich eben nochmals durch den gefährlichen Weg ins Drachenland geführt. So schön, dieses Erlebnis wieder zu erleben. Und du hast recht, gerne wäre ich weitergegangen, so faszinierend war es im Reich der Drachen. Nun, am nächsten Tag haben wir uns das ja auch bei Tageslicht angeschaut und da muss ich sagen, es war vernünftig umzukehren. Aber diese Schlucht mit ihrem Wasserlauf, den Wasserfällen, die in Eis gehüllt sind, die hat herzergreifende Gefühle in mir erweckt. Dank Liza und Dragon R.Ruffy hatte ich ein so schönes Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Du hast ja eine schöne Erinnerung mitgenommen, die nun wohl deine Wohnung ziert. Ich meine das Drachenei, das du auf dem Rückweg gefunden hast. Ich danke euch allen.

:hdku: und :umrmng:

Michael
 
S

SW

Gast
Liebe Biggi,
als ich heute Morgen deine Zeilen las, erinnerte ich mich sofort an eine Stelle in „Saraswati“ („mein“ Buch, das ich in Indien gelesen habe J) und ich empfand so eine Parallelität darin, dass ich mich entschlossen habe diese Episode aus dem Buch für euch abzutippen. Lasst euch also nochmals auf eine nächtliche Wanderung entführen, vielleicht lässt euch die folgende Wanderung eure eigene in einem noch anderen Lichte sehen. Es ähnelt der Wanderung durchs Leben ……..

aus „Saraswati – der Fluss des Lebens“ von Daniela Jodorf, 27. Kapitel:

Narayanji überraschte sie beim Frühstück mit einer unerwarteten Ankündigung. „heute ist purnima, Vollmond. Chaitanya Maharaj (Anm.: ein indischer Weiser) will euch noch einmal sehen. Diesmal an einem anderen Ort. Wir haben eine weite Fahrt vor uns. Wir fahren Punkt zwölf.“

Im Wagen schwieg Narayanji. Sein Schweigen war so gewaltig, dass sie es nicht wagten, es zu brechen. Der Fahrer folgte der Bundesstraße 5 Richtung Norden. Nach etwas mehr als zwei Stunden passierten sie die Grenze zu Andhra Pradesh. Von dort aus bogen sie auf die Straße nach Tirupati ab, die sich in weiten Bögen in eine hügelige Berggegend zwirbelte. Es dämmerte bereits, als sie Chandragiri erreichten. Sie hatten nur eine kurze Rast gemacht, um einen Tee zu trinken. Saraswati hoffte inständig, dass sie im Ort zu Abend essen würden, aber die Wagen fuhren durch den Ort hindurch und folgten dann einer Seitenstraße noch tiefer in den dichten, dschungelartigen Wald, der die Hügel und Täler um Chandragiri bedeckte.
Endlich stoppte der Wagen auf einem Parkplatz inmitten des Waldes. Die Dunkelheit hatte sich schon tief über die üppigen Bäume gesenkt. Man sah die Hand vor Augen kaum. Plötzlich näherten sich Scheinwerfer. Ein Wagen stoppte neben dem ihren. Es war der Wagen der Gopals, mit dem Arun immer fuhr. Sita stieg aus. Auf dem Beifahrersitz erkannte Saraswati verwundert Robert. Dem Fond entstiegen Sam und Vikram. Und dann sah Saraswati Natascha. Sie sah sofort Arun an, unsicher, wie er auf Nataschas Anwesenheit reagieren würde. Wieso brachte seineMutter sie mit? Fast kam es Saraswati wie eine Provokation vor. Sie war doch so sicher gewesen, dass Arun und seineMutter durch den Besuch bei Chaitanya Maharaj den alten streit beigelegt hatten. Hatte sie sich getäuscht? Arun wirkte sehr ruhig. Er nickte seinerMutter zu. Sein Blick begrüßte Sam und Vikram. Natascha sah er emotionslos an, als seien sie Fremde.
Neben Sitas Wagen schrie jemand ängstlich auf. Es war Sam. Sie schrie wie am Spieß und blickte dabei starr vor Angst auf den Boden. Sita lief um den Wagen herum zu ihr: „ Komm nicht näher Auntie! Bleib, wo du bist. Dort. Siehst du nicht die Schlange neben dem Wagen.“
Sita hockte inzwischen neben Sam und fing plötzlich laut an zu lachen. Sie griff nach der vermeintlichen Schlange und hielt einen alten Gartenschlauch in die Höhe. Sam atmete erleichtert auf und fiel in das Lachen ihrer Tante mit ein.
Narayanji hatte aus einiger Entfernung das Geschehen beobachtet und trat nun mit strengem Blick zu der erleichterten gruppe. „Die meisten von euch kennen das alte Gleichnis von der Schlange und dem Seil! Aber ihr habt es nicht erkannt, als es vor euch lag. Ihr habt so eben das Wesen von avidya, von Unwissenheit erlebt!“ Er schwieg für einige Sekunden, um seine Worte auf die Gruppe wirken zu lassen. „Avidya ist Verblendung. Verblendung aufgrund von Erinnerung und Konditionierung. Beide erzeugen Angst. Angst erzeugt das Bewusstsein von Getrenntheit. Ihr habt ein geschlängeltes Objekt gesehen. Sofort habt ihr damit Schlange und Gefahr assoziiert. Erst wer im Seil nicht mehr die Schlange, sondern nur das Seil sieht, ist von der Täuschung der maya befreit. Das Seil war, ist und wird immer ein Seil sein, aber unser Geist besitzt die Macht, uns über die wahre Natur des Seils zu täuschen. Das ist die Macht der Projektionen des niederen Geistes, die es zurückzunehmen gilt, denn sie schaffen Getrenntheit und Gefahr, obwohl es nur Einheit und Geborgenheit gibt.“
Alle schwiegen und fragten sich, auf was für einer seltsamen reise sie waren.
Narayanji setzte sich unterdessen an die Spitze der gruppe und betrat einen kaum sichtbaren Pfad, der in das Unterholz führte. Robert rief von hinten: „Sollten wir nicht eine Lampe mitnehmen, Narayanji?“
Aber der alte Zauberer reagierte nicht.
 
S

SW

Gast
Sie liefen im Gänsemarsch über den schmalen Pfad. Unwillkürlich hatten sie Zweierpaare gebildet: Vikram und Sam, Arun und Saraswati, Natascha und Robert. Mit jedem Schritt, den sie tiefer in den Wald hineintraten, wurde es dunkler und unheimlicher. Fremde Geräusche erfüllten die Ohren. Jegliche Furcht, die noch unter der Oberfläche ihres Bewusstseins verborgen lag, kam zum Vorschein. Mehr als einmal schreckten sie angsterfüllt auf, als vor, neben oder hinten ihnen Äste im Gebüsch knackten. Sie fühlten sich verfolgt und von den tausenden Augen der indischen Nacht beobachtet. Narayanji lief unerschütterlich voran und Sita folgte ihm bedenkenlos und angstfrei.

Saraswati fühlte sich an einen Traum erinnert, den sie vor vielen, vielen Nächten das erste Mal geträumt hatte. Damals war sie mit Arun und anderen von einem schneebedeckten Berg hinabgewandert in ein sanftes Tal. In diesem Tal hatte es einen alten, indischen Palast gegeben. Saraswati hatte das eigenartige Gefühl, dass dieser Palast ganz nahe war. Sie spürte förmlich, wie sie ihm immer näher kamen.
Ächzende Geräusche hinter ihnen holte Saraswatis Aufmerksamkeit zurück zu der Gruppe, in deren Mitte sie wanderte. Sie drehte sich fast gleichzeitig mit denen, die vor ihr liefen, nach hinten um. Robert war der Länge nach hingeschlagen und lag bewusstlos mit dem Gesicht auf dem Boden neben einen großen Findling.
Diesmal eilte Narayanji zur Hilfe. Er klopfte Robert mit der flachen Hand auf die Wange, nachdem er ihn vorsichtig gemeinsam mit Arun auf die Seite gedreht hatte. Robert blutete aus einer kleinen Platzwunde über dem linken Auge. Es dauerte einige Minuten, bis er zu sich kam. Narayanji war heute gnadenlos und fragte den gerade erst aus der Bewusstlosigkeit Erwachten, warum er so eine Angst habe, dass er lieber die Bewusstlosigkeit wähle als die beobachtende Aufmerksamkeit. Das sei ein Verhalten, das einem Feigling, aber keinem Wahrheitssuchenden würdig sei. Er müsse endlich lernen, sich auch Situationen zu stellen, die er nicht beherrschen könnte. Robert sah Narayanji verstört an.
„Aber ich bin doch gestolpert …!“
Sein Blick suchte verzweifelt Halt, zuerst bei Narayanji, dann bei Arun und bei Saraswati. Robert hatte seinen Geist noch lange nicht unter Kontrolle. Sobald er versuchte, sich aufzurichten, wurde ihm wieder schwindelig, versagte sein Kreislauf und er sackte erneut der Ohnmacht nahe in sich zusammen. Es war inzwischen stockdunkel, als Robert endlich fähig war, auf Arun und Vikram gestützt in verlangsamtem Tempo weiterzuwandern. Lieber wäre er umgekehrt.
Der Weg wurde stetig steiler und steiniger. Saraswati kletterte weiter über Stock und Stein und mahnte sich beständig zur Achtsamkeit. „Ich weiß, dass ich weiß! Ich weiß, dass ich weiß, dass ich weiß! Ich weiß, dass ich weiß, dass ich weiß, dass ich weiß!“
Die Kette wuchs ins Unendliche und noch immer konnte Saraswati ihr ohne Mühe folgen. Erst ein kleiner Affe, der plötzlich glucksend vor ihr stand, erweckte ihr Interesse so sehr, dass sie von der Kontemplation abließ. Sie blieb stehen und prompt sprang der kleine bärtige Kerl zutraulich an ihr hoch. Er kletterte auf ihre Schulter und spielte verzückt an ihrem Haar. Erst als Natascha hinzutrat, um das Äffchen zu streicheln, sprang es wieder zu Boden und lief in den Wald davon. Sie setzten ihre Wanderung im Gleichschritt fort. Robert war inzwischen wieder so sicher auf den Beinen, dass er ohne fremde Hilfe zu laufen wagte.
 
S

SW

Gast
Bald gelangten sie an eine Lichtung und wieder tobte der Affe neben ihnen her und näherte sich Saraswati. Narayanji und Sita liefen unbeeindruckt von der Gegenwart des kleinen Spielgefährten weiter. Zum ersten Mal sahen sie hoch über sich auf dem Berg flackernde Lichter. Ob diese Lichter ihr nächtliches Ziel markierten?
Der Affe sprang wieder fort und in der nächsten Sekunde drang angsterfülltes Geschrei aus dem Gebüsch, in das er verschwunden war. Etwas knurrte. Der Affe schrie drei Mal hintereinander ohrenbetäubend. Dann herrschte tödliche Stille. Man hörte nur noch das Knacken und Schmatzen eines fressenden Tieres.
Jemand rief: „Was war das? Was ist geschehen?“
„Ein wilder Hund hat einen Affen gerissen!“, rief ein anderer.
Saraswati zitterte am ganzen Leib und blieb erschüttert stehen. Sie wollte sofort ins Dickicht hineinspringen, um den Affen zu retten, doch wusste sie wie alle anderen, dass jegliche Hilfe zu spät kam. Zu ihrer aller Entsetzen fing Narayanji an zu lachen. Dann blieb er stehen und rief Saraswati zu sich und hieß die anderen, sich im Kreis um sie zu scharen.
„Das passiert, wenn man unachtsam ist! Das einzig wirksame Mittel gegen Leid ist Bewusstheit. Habt ihr die Lektion der Achtsamkeit und der Losgelöstheit gelernt, die euch dieses Ereignis lehren will?“
Es regte sich Widerwillen in ihnen. Sie hatten genug gelernt. Sie hatten genug gesehen. Sie wollten endlich am Ziel sein. Doch Narayanji gönnte ihnen die ersehnte Ruhe nicht.
„Der Affe war so sehr damit beschäftigt, dir zu imponieren, Saraswati, dass er die Gefahr nicht mehr gewittert hat. Seine Zuneigung zu dir, hat ihn verstrickt. Er hatte sich in dir verloren. Auch du warst bereits so sehr von seiner entzückenden Gegenwart beeindruckt, dass du ihn vor seinem eigenen Schicksal bewahren wolltest. Ist das Verhaftungslosigkeit, vairagya? Warum erschreckt dich der Tod des Äffchens so sehr, wo er doch nichts ist, als die natürliche Konsequenz seines Lebens?“
Saraswati blickte beschämt zu Boden. Es war so dunkel, dass sie kaum ihre Füße sehen konnte. Als sie das bemerkte, wurde ihr schwindelig. Doch sie fing sich gleich wieder – noch immer betäubt von der Bitterkeit der Lektion. Doch trotz der Bitterkeit begriff sie, dass Narayanji ihnen etwas Wichtiges zeigte: symbolisches Denken. In seinem Erleben hatte alles seine Bedeutung, machte alles Sinn. Sie fragte sich, ob sie selbst so weit war, in allem und jedem den höheren Sinn zu erkennen.
 
S

SW

Gast
[FONT=&quot]Den Rest des Weges ließen sie ohne weitere Zwischenfälle hinter sich. Aufgrund der vorausgegangenen Erlebnisse waren sie nun absolut achtsam. [/FONT] Ihnen entging kein Geruch, keine Geräusch, kein Stock unter ihren Füßen, kein Gedanke und keine Empfindung. Es war ein Wunder für sie, dass eine ganz einfache Nachtwanderung unter der Führung eines verwirklichten Meisters zu einem Spiegel ihres Unterbewusstseins werden konnte.
Sie waren über drei Stunden gewandert, als sie endlich ein hölzernes Tor in einer gewaltigen Mauer erreichten, hinter der sich majestätisch der Sandsteinpalast erhob, den Saraswati aus ihren Träumen kannte. Ihr Herz tat einen Sprung, als sie durch den Eingang schritt und wieder einmal ein Traum Wirklichkeit wurde. Mit einem Mal wusste sie, dass dieser Ort die äußere Entsprechung ihrer innersten Seele war, so wie Chaitanyaji ein Spiegel des Selbst war.
Arun erstaunte sie: „Ist das nicht der Palast, von dem du geträumt hast?“
Sie fand nicht die Kraft, ihn zu fragen, woher er das wusste. Er konnte es nur wissen, wenn es wirklich keine Trennung zwischen ihnen gab. ……..

So, ihr Lieben, jetzt hab ich über 1 Stunde getippt (leider kann ich nicht MaschineschreibenL) und hoffe, ihr habt die Geschichte genossen! Und vielleicht hat ja mancher Appetit auf dieses tolle Buch bekommen? Es geht darin übrigens um die Philosophie der Advaita. Advaita (Nicht- Zweiheit) bezeichnet die nicht-dualistische Erkenntnis. Im Hinduismus stellt Advaita den inneren Kern der Religion dar, will sagen die „esoterische“, also „innere“ Perspektive. Das gleichzeitige innere Erkennen der absoluten Einheit und relativen Vielheit aller Erscheinungen - das ist Nicht Zweiheit. Wenn der Verstand, der Geist des Menschen „still“ wird und jede Dualität überwindet, kann er das Geheimnis des Advaita erkennen. Als Hinwendung zum „Innen“ ist Advaita im Hinduismus vergleichbar mit der Mystik des Christentums, der Kabbala im Judentum oder dem Sufismus des Islams.


Alles Liebe euch, Sabine:BS:
 
A

Atlantis

Gast
:DHLiebe Sabine,

wow, danke für dieses wunderbare Geschenk, welches du uns hier gemacht hast.
Ich verstehe sehr gut, das du dich erinnert fühltest durch meine Beschreibung, und auch ich sehe die Parallelen .
:dnk: das du mich nocheimal auf Reisen geschickt hast, und mir damit nochmal eine andere Betrachtungsweise gezeigt hast.

:gabi: :hzssm:

Biggi
 
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Lichtblicke

Gast
:dnk: Sabine - das ist ja ein Text, ich glaube ich muss ihn mir ausdrucken und noch mal genüsslich lesen

Liza
 

Weißer Wolf

Administrator
Ramira

Ihr Lieben,

stellt euch vor, in unserer Post war ein Brief aus Deutschland....

Uuuund darin war eine DVD mit vielen vielen Fotos einer Kärnten Reise...

Lieber Ramira, Sabine und ich danken dir von Herzen, dass du uns diese DVD gemacht und geschickt hast :LS:. Das war wirklich lieb,

Umarmung von Herzen,

Sabine :rgbogen: Matthias
 
M

Micha

Gast
Liebe Sabine und lieber Matthias,

das habe ich gerne und in Liebe gemacht. Ich freue mich, wenn ihr euch freut und wünsche euch, dass ihr die DVD genießt, so wie ich meinen Aufenthalt bei euch genießen durfte.

Liebe Grüße
Michael
 
M

Micha

Gast
Während unseres Besuches in Kärnten waren wir im Natur -Blumen-Erlebnispark am Sonneger See. Ciara (Regenbogen) hatte dort ein Treffen mit Elfen und Feen.

(Administrator Hinweis: Link fehlerhaft und entfernt)​

Liebe Grüße
Michael
 
S

Sternenzauber

Gast
Liebe Biggi,
es war eine wunderbare Reise, die ich hier erleben durfte.
Tausend Dank dafür, einfach nur schön, spannend, himmlisch.
 
A

Atlantis

Gast
:BS:Liebe Sternenzauber,

wie schön, daß du unser Abenteuer mitgenossen hast.
:dnk: für dein Feedback,

ich wünsche dir einen gesegneten , lichterfüllten Tag

Biggi
 
WIR SIND ÜBERSIEDELT!Gemäß der DSGVO/Datensparsamkeit wurden alle Benutzerkonten (Email Adressen etc.) permanent gelöscht. Dieses Forum ist ein Archiv bzw. inaktiv. Bitte besuche unser neues Forum auf Gesundheit für Körper und Seele!  
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