Liebe Heike ,
ich freue mich immer über deine Zeilen, lese sie sehr gerne .
Und auch diesmal kann ich wieder mit dir empfinden.
Als Mädchen lebte ich im wahrsten Sinne, wie die Made im Speck, nämlich in einem absoluten Fleischerhaus.
Mein Großvater arbeitete auf einem Schlachthof, und von dort brachte er Schinken, Wurst und Fleisch in unglaublichen Mengen mit.
So gab es bei uns jeden Tag stets Wurst und Schinken zum Frühstück und zum Abendbrot, und Mittags gab es auch immer Fleisch.
Ich war es ja nicht anders gewöhnt, und man lehrte mich:
Tiere sind zum Essen da.
Mir schmeckte das alles vorzüglich, und anstatt wie andere Kinder Süßigkeiten zu naschen, zog ich es sogar vor, an den Kühlschrank zu gehen und ein Stück Schinken, Salami, oder Braten zu naschen.
Bis zu jenem Tag vor ca. 20 Jahren.
Zu dieser Zeit saß ich vor dem Fernseher und schaute in den Flimmerkasten. Und wie der Zufall es wollte , lief grad ein Bericht, über die Zustände in Schlachthöfen.
Was ich sah schockte mich zutiefst, war das aller-, aller schlimmste, was ich je gesehen hatte. Und ich hätte niemals gedacht, daß es so ist wie es gezeigt wurde.
Laut schluchzend und blind vor Tränen schaltete ich aus und im Schmerz und Zorn drückte ich meine Schäferhündin fest an mich.
Ich weiß noch, daß ich so sehr weinte, daß ich kaum mehr Luft bekam. Und meine Wut auf diese Mörder war grenzenlos.
Doch nach einer Weile rappelte ich mich. Essen hält Leib und Seele zusammen, erinnerte ich mich, und so ging ich gewohnheitsgetreu an den Kühlschrank und machte mir ein Salamibrot.
Doch der erste Bissen blieb mir jäh im Hals stecken und mich traf eine unglaubliche Erkenntnis:
Ich gebe den Auftrag für diese bestialischen Machenschaften !
Weil ich diese Wurst esse, sie kaufe, konsumiere , werden diese Tiere so gefoltert.
Mir war es nicht möglich, das Brot weiter zu essen.
Von diesem Tag an aß ich nur noch Geflügel und Fisch. Erst fast täglich, später immer weniger, bis ich die ersten Videos aus Geflügelfarmen sah.
Meine Familie und auch mein Mann versuchten erst gar nicht mich umzustimmen, sie merkten, es war mir bitter ernst.
Sie respektierten mich und meine Gefühleund ich tat es umgekehrt ebenso.
Es dauerte wieder eine Weile, bis ich begriff, daß es auch den Kühen in der Milchindustrie grottenschlecht geht.
Eine Kuh in der konventionellen Milchwirtschaft ist eine ganz arme , gequälte Kreatur.
So bemühte ich mich fortan Biomilchprodukte zu bekommen, was sich als schwer erwies, wollteman nicht sämtliche Lebensmittel in Bioqualität kaufen. Ausserdem hatten meine Familie und Freunde die Schränke voll mit Nicht - Bio - Produkten.
Jeder Keks, jedes Stück Kuchen, Joghurt, Butter , Quark , Süßigkeiten... -
Oh jeh.-
Aber stets mußte ich an die Kühe denken, die in ihren Ständern standen, entwürdigt, ausgebeutet, leidend -
aber es ist doch soooo lecker ?
Nein, mir war der Appetit vergangen. Und so stellte ich auch da mehr und mehr um.
Noch bis zum heutigen Tag esse und konsumiere ich manchmal Milchprodukte die keine Bioqualität vorzuweisen haben, aber wenn ich die Möglichkeit habe, dann wähle ich diese .
Ausserdem esse ich Milchprodukte nicht mehr einfach nur so und in großen Mengen.
Und ich bin mir heute bewußt, daß mit jedem Stück Schokolade, welches nicht Bio ist, ich akzeptiere und in Auftrag gebe, Kühe konventionell zu halten.
Gelantine meide ich, ich suche nach Naturkosmetik oder Natur - Bio - Pflegeprodukten.
Gerne würde ich bei meiner Kleidung mehr auf eine umweltfreundliche achten, aber hier kann ich lediglich darauf achten, bescheiden zu kaufen, die Dinge lange zu tragen und Secondhand Kleidung zu wählen, denn die wirklichen Biokleidungsstücke überfordern mein Konto absolut.
Aaaber immerhin , besser als nichts.
Haushaltsreinigungsmittel habe ich fast gänzlich verbannt, benutze sie nur noch selten und dann in homöopatischen Dosen.
Beim Strom bin ich auf Naturstrom gewechselt und versuche mich zu disziplinieren im verschwenderischen , bzw. unsinnigem Umgang mit diesem ( Licht in Zimmern, in denen ich gar nicht bin z.B.).
Ja, man kann so einiges tun, wenn man möchte.
Umstellungen gelingen vielleicht nicht von jetzt auf gleich, aber sie gelingen. Man muß es nur wollen.
Grüße von Herzen,
Biggi


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