Liebe Igelfrau,
deine Zeilen fühlen sich für mich so an, als das du schon recht unglücklich bist, mit der Situation, wie sie jetzt ist.
Aber du bist ja auch die Einzige, die etwas bewegen kann.
Es gibt Beziehungen, die sind einfach irgendwann an einem Ende angelangt. Sie haben uns viel gebracht, wir haben viel mitgenommen, aber dann öffnet sich ein weiteres Kapitel. Eine Beziehung ist wirklich ausgedient, für beide Seiten.
So etwas ist in meinen Augen Bestimmung, und ich bin sicher, daß man auch keine
Fehler
machen kann, denn man agiert ja schließlich stets nach seiner inneren Stimme, nach seinem stärksten Antrieb. Und genau so geht man auch den richtigen Weg. Den Weg, den man sich einst wählte.
Nach neun Jahren Partnerschaft verließ ich meinen Mann. Mein Kopf sagte mir:
Du mußt die Ehe retten, du hast das Versprechen gegeben, ich hatte ihn sogar sehr , sehr lieb. Aber verliebt hatte ich mich völlig unerwartet in einen anderen Mann.
Immer wieder kämpfte ich gegen meine
Gefühle
, aber es half nicht. Nach qualvollen sechs Monaten für alle Beteiligten, beendete ich meine Ehe, ging in eine andere Partnerschaft.
Bei diesem Kurswechsel gab ich alles auf:
heile Familie, Sicherheit, Geborgenheit, und mein fast gesamtes Hab und Gut, ich ließ es nämlich in der Wohnung meines Mannes.
Vier Jahre währte die neue Beziehung. Manche fragten mich:
bereust du es jetzt nicht ?
Nein, ich bereute es nicht, denn die vier Jahre waren wichtig gewesen, ein Teil meines Weges. Wieder vier Jahre später brachte ich meine Tochter zur Welt. Sie wäre nicht da, wäre ich in der Ehe geblieben.
So war einfach mein Weg. Ich konnte nicht anders, als ihn gehen.
Für mich war das Bestimmung.
Manche sagten: du hast es dir schwer gemacht.
Und ja, ich hatte es zwischenzeitlich wirklich schwer. Und man sagte mir:
mach es so, das ist viel leichter.
Und in der Tat, es wäre leichter gewesen, aber ich war ausser Stande, anders zu gehen, als ich ging, denn es war meine Bestimmung, mein Weg.
Später erkannte ich, wie wichtig, dienend und Weise jede einzelne Pasage diesen Weges war.
So denke ich, daß jeder von uns zur rechten Zeit am rechten Ort ist, und zwar genau dort, wo Gott uns haben will, denn sein Wille geschieht.
Und wir treffen die genau richtigen Gegebenheiten und Bedingungen.
Verfehlen können wir den Weg nicht.
Es obliegt uns aber vielleicht , wie wir den Weg gehen. Nehme ich jeden spitzen Stein mit, renne ich vor Laternenpfähle und parkende Autos, gehe ich schnell , gehetzt, oder gehe ich achtsam.
Doch welches Tempo und welche Verfassung ich auch immer wähle , falsch ist es nie.Es dient so oder so.
Manchmal ist eine Wegstrecke schwer, aber das liegt vielleicht in der Natur der Sache.
Was ich aber aus den Begebenheiten mache, ob ich nur jammere und klage, schimpfe oder ob ich annehme , vertraue, das Beste aus dem Gegebenen mache, das liegt bei mir.
So oder so , es dient.
Vielleicht gelingt es dir, ins Vertrauen zu gehen. Du bist geliebt und wohl geführt. Alles ist richtig und kommt richtig.Du bekommst genau zur rechten Zeit die rechten Hilfen und Ideen.
Von Herzen liebe Grüße,
Biggi
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