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Thema: Streicheleinheiten

  1. #16
    Erfahren Avatar von Marion Frey
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    Liebe Lisa,

    schön, dass Du Dich "einklinkst" und Deine Berührung aussprichst.

    Wie Du Zärtlichkeiten geben und nehmen erlebst, kenne ich sehr gut. Es war nicht immer in meinem Leben genau so wie in den letzten Jahren, das hat - glaub ich - damit zu tun, dass mein jetziger Mann mir soviel karmische Erinnerungen brachte und es deswegen besonders schwierig war. Manchmal hab ich das Gefühlicon, wenn der Liebesfluss zwischen uns mal ungehindert strömt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten, egal wem gegenüber. Die körperliche Schwelle ist überwunden, dort ist liebevolle Öffnung inzwischen vollständig möglich, das Vertrauen sehr tief gewachsen. Aber das Herz kann noch nicht immer offen gehalten werden.

    Was körperliche Zärtlichkeit angeht, hab ich mich in der Vergangenheit manchmal gefragt, ob es je aufhören wird immer wieder schwierig zu scheinen, den Kokon zu durchbrechen, in dem ich mich gefangen und einsam fühlte und mich ganz schwer tat, aus dieser Hülle heraus zu treten und in sie auch etwas hinein zu lassen. Matthias hat das sehr schön beschrieben mit der empfundenen Grenze Haut. Ich bin dankbar, dass das inzwischen mit dieser einen Person grenzenlos möglich ist, so als Brücke für weiteres...

    Zitat Zitat von Lichtblicke Beitrag anzeigen
    mir war nicht klar, dass das aus der Kindheit kommen kann.
    Es kann... Wobei ich für mich es so erlebe, dass ich diese Thematik bereits mitgebracht habe (es gab viele Erfahrungen aus früheren Leben, die da noch mit drauf lagen, z.B. ein Leben als aussätzige Person, die weggesperrt von den geliebten Menschen zur Unberührbaren wurde) und durch den entsprechenden Umgang in meiner Herkunftsfamilie wurde es einfach nochmal so richtig sichtbar, denn in diesem Leben wollte gelöst werden, wollte der Kokon durchbrochen, die Trennung aufgehoben werden.

    Alles Liebe
    Marion

  2. #17
    Weise Avatar von Atlantis
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    Oh welch feiner Thread,

    ja, auch ich kann hier schreiben. Bei mir selber war es als Kind so, daß ich vom Kuscheln nie genug bekommen konnte , und meine Elternicon und Großeltern wurden auch nie müde mich zu herzen, zu halten, zu streicheln und zu kraulen.
    Wie eine Katze lag ich dann und hätte wohl geschnurrt weil es soooo behaglich war.
    Viele schöne Erinnerungen kommen mir da. Als ich noch klein war, saß ich gerne auf dem Schoß meines Großvaters und schmiegte meinen Kopf an seine Schulter. Und dann sang der Opa für mich. Und weil der Opa einen gaaaaanz dicken Bauch hatte, war der wie eine Baßbox und brummte herrlich.
    Mein anderer Opa war viel bettlegerig, aber das tat dem Kuscheln keinen Abbruch.
    Ich genoß es, ganz still neben dem Opa zu liegen. Dann waren wir beide glücklich.
    Mit 21 Jahren machte ich mein Anerkennungsjahr in einem großen Seniorenheim, da waren so viele Senioren, die gar niemanden mehr hatten, der ihnen körperlich Wärme und Nähe schenkte.
    Zu dieser Zeit belegte ich auch meine ersten Reikikurse , interessierte mich für Entspannungstechniken und Massage.
    Und so wurde die Idee geboren, bei den Senioren Kopf und Gesichtsmassagen anzubieten.
    Hier ging es weniger um Massage im medizinischen Sinn, als um Streichungen, sanfte , wohltuende Berührungen.
    Das Angebot wurde begeistert genutzt.
    Erschrocken war ich anfangs, weil es häufiger vorkam das Menschen bei einer Gesichtsmassage die Tränen liefen.
    Damit wußte ich nicht recht umzugehen und ich befragte meine Reikilehrerin.
    Sie sagte, das wäre ganz richtig, denn bei vielen Menschen , würde sich durch diese liebevolle und wärmende und entspannende Berührung etwas lösen dürfe.
    Gerne erinnere mich an diese Zeit.
    Meine Tochter kuschelt auch für ihr Leben gerne . besonders mit eiskalten Füßen morgens in der Früh in meinem schönen warmen Bett.
    Aber auch so.
    Dankbar bin ich, für all die streichelnde Wärme und Liebe, die ich so reich in meinem Leben geschenkt bekam und bekomme, und die ich genben durfte und darf.

    Grüße von Herzen,

    Biggi

  3. #18
    Erfahren Avatar von Marion Frey
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    Liebe Jako,

    Zitat Zitat von jako Beitrag anzeigen
    Ich glaube, es ist sehr wichtig für unser seelisches Gleichgewicht, dass wir jede Art von Erwartungshaltung - egal, wem gegenüber - aufgeben. Wenn wir das schaffen, können wir auch nicht mehr enttäuscht werden.
    Sehr weise Worte. Manchmal ist es ein langer innerer Weg dorthin, wo Erwartungen losgelassen werden können und Täuschung verflogen ist.

    Das Abschiednehmen, das Du ansprichst... Wenn der Betroffene selbst seinen Frieden damit gefunden hat, so ist es für die Zurückbleibenden doch oft immer neu eine Herausforderung, diesen Frieden auch zu finden. Vielleicht - so geht es mir gerade durch den Kopf - ist es in einem Seniorenheim für manche ein immer neues Üben mit jedem Weggang, bis man in der Lage ist selbst loszulassen.

    Liebe Grüße
    Marion

  4. #19
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    Liebe Marion,

    das Eine ist, wie man persönlich mit seiner Nicht-Endlichkeit umgeht. Das ist ein weites, aber sehr wichtiges Thema.

    Das Andere, wie die Hinterbliebenden damit umgehen. Das hat mit dem Leben im Heim nichts zu tun. Der Mensch ist Mensch, egal wo er lebt.

    In beiden Fällen kommt es darauf an, ob man an die Ewigkeit glaubt. Darüber habe ich mal ne kleine Legende geschrieben.

    Wenn ich Zeit habe (momentan habe ich zuviel HP-Stress), suche ich sie und hänge sie hier an.

    Jedenfalls bin ich in der glücklichen Lage, nicht nur an die Ewigkeit zu glauben, sondern mich auch auf das DANACH zu freuen. Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht gerne im HIER lebe. Ich liebe das Leben, aber umsomehr werde ich auch das nächste lieben. Ach, auch das ein weites Thema.

    Seid alle lieb gegrüßt

    jako

  5. #20
    Carolin Curant
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    Lieber Jakobe,

    ich habe in meiner Kindheit auch nicht die Zärtlichkeit erlebt, die ich mit gewünscht habe. ich musste mich immer gegen die Negativen Angriffe der Familie verteidigen. Einer meine jüngeren Brüder hat mich jahrelang gemoppt. Und die Mutter hat zugeschaut.
    In meiner Beziehung zu meinen Mann hatte ich mit Nähe und Zärtlichkeit große Probleme gehabt. Wie Matthias geschrieben hat, ich habe es als Druck empfunden und immer "Nicht jetzt" gesagt. Irgendwann habe auch ich darunter gelitten, dass ich meinen Mann nicht an mich heran lassen konnte.
    Jetzt ist es gelöst. Ich habe mich geöffnet. Ich hatte große Wut auf alle Menschen. Und die habe ich gelöst. :-)

    Bevor ich meinen Mann kennen gelernt habe, habe ich auch die Liebe Gottes erfahren. Ich habe sie jetzt immer noch im Herzen.

    Oft ist es so, die Menschen die keine Liebe erfahren haben, haben am meisten Liebe zu geben.

    Liebe Grüße, Carolin

  6. #21
    Neugierig Avatar von Sestreya
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    Hallo ihr Lieben,

    ja, das ist wirklich ein schönes Thema das ihr da angeschnitten habt.

    habe ähnliche Erfahrungen wie Carolin... in der Kindheit gab es keine zärtlichen Berührungen und Nähe, sondern leider das Gegenteil... Hass und Gewalt.
    Die Situation konnte sich erst durch den Tod eines Familienmitglieds verändern (ich war damals 16). Es hat aber einige Jahre gedauert, bis wir uns bei Begrüßung und Abschied in den Arm nehmen konnten.

    Ich habe während dieses "Lernprozesses" immer wieder festgestellt, dass es etwas sehr existenzielles für ein Lebewesen ist, Liebe zu empfange und Liebe zu geben. Man verdörrt sonst innerlich in diesem Bereich.

    Deswegen öffne ich heute mein Herz und sende Liebe - auch wenn keine körperliche Umarmung möglich ist .... und es ist etwas sehr schönes ;-)

    Die Liebe sei mit Euch ;-)
    Monika

  7. #22
    Enthusiastisch Avatar von Shiva
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    Hallo ihr Lieben hier,

    wow kann ich nur sagen, eine wirklich schöne Unterhaltung hier mit sehr herzberührenden Beiträgen. Ich danke euch...Ich kann mich da auch anschließen, wenn es um die Grenze geht, gewisse Zärtlichkeiten zu geben und zu nehmen. Ich habe 2,5 jahre gelernt, dies meinen Kindern zu zeigen und es wiederzubekommen. Das war der Durchbruch...ein Wahnsinnsgefühl. Mit meinen Elternicon allerdings ist es immer so mit einer Art Abstand, wenn wir uns zum Anfang und Ende des Sehens kur in den Arm nehmen, es ist irgendwie flüchtig. Es gab schon einige Themen, die ich diesbezüglich bearbeitete, aber nun...es ist, wie es ist. Ich kann nur dankbar sein, dass ich mich gewandelt habe und mein Herz öffnete.

    Ich habe eine ganze Zeit gedacht oder mir eingeredet, meine Eltern zeigten mir zu wenig Liebe, aber sie (vor allem meine Mama, mein Papa kann es nicht so) umsorgte uns liebevoll, wenn wir krank waren und schmuste auch mit uns als Kleinkinder, aber später war es nicht mehr...tja warum auch immer, von welcher Seite ausgehend und mit welchen Hintergründen, es ist nun unwichtig, denn wir sind im Hier und Jetzt und das hab ich gelernt. Ich nehme sie nun so (so gut ich es kann), wie sie sind.

    Das mit dem Segnen finde ich ganz wunderbar. Ich danke für diese Erlebnisse, denn es erinnert mich wieder daran, dass ich auch dies schon praktizierte, aber irgendwie davon abkam bei meinen ganzen Lernaufgaben. :-) Ich freu mich sehr, denn ich werde nun auch wieder jede Situation, die schwierig erscheint segnen und die Menschen, mit denen ich noch nicht so zurecht komme.

    Ja das Thema "Suchtkranke" kenne ich auch zu gut. Ich lebte lange in HH und zog sie förmlich wie ein Magnet an, wenn ich Bahn fuhr oder einfach am Hauptbahnhof warten musste. Zum Schluss konnte ich damit nicht mehr umgehen, es ist nun auch schon fast 10 Jahre her, dass ich dort wegzog. Heute sehe es anders. Damals war ich noch in meinem eigenen Partykarussell, wenn ich dies so sagen kann.

    Ich danke dir liebe Jako, dass du hier so eine lebhafte Unterhaltung angefangen hast mit deiner ganz wunderbaren Geschichte. Die Mutter meines Partners lebt auch in einem Heim und wir können förmlich sehen, wie sie abbaut, denn wer kümmert sich schon, wer hat dort genügend Zeit, keiner da...zu wenig Personal. Sie sitzt im Rollstuhl, obwohl sie gehen könnte, denn sie hat in den letzten Jahren so eine Angst aufgebaut, dass sie fallen könnte, dass sie es eben aufgab. Naja das nur kurz dazu.

    Ich habe wieder eine Inspiration gefunden dank euch allen und wünsche euch einen ganz wunderbaren Abend. Alles Liebe Conny

  8. #23
    Carolin Curant
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    Hallo ihr Alle,

    ich finde es auch sehr schön was ihr so schreibt!!!

    Wenn ich mit einem Menschen Emotional verbunden bin, mache ich Ho' opono pono, bei mir wirkt das sehr gut und ich habe dadurch meiner Pflegemutter vergeben können. Sie hat sich nicht verändert, ich kann ihr einfach nicht nahe kommen. Sie füllt sich, für mich, wie ein Stück Eis an.
    Ich hab versucht ihr näher zu kommen, am Telefon im Gespräch, leider kann sie ihr Herz nicht öffnen. Und nur vom Verstand sprechen.
    Ich habe es aufgegeben, ihr näher kommen zu wollen. Es berührt mich nicht mehr. Es macht mich nicht mehr wütend und zornig. Obwohl es doch traurig ist und mir Leid tut. Es ist halt nicht möglich und das respektiere ich so wie es ist.

    Liebe Grüße, Carolin

  9. #24
    Weise Avatar von Atlantis
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    Liebe Carolin,

    ich kann mir gut vorstellen, daß es nicht leicht wa, dies so zu akzeptieren.
    Aber ich sehe es wie du es hier auch schreibst, manche Dinge kann man einfach nicht ändern, man muß sich mit ihnen arangieren.
    Dort das Egoicon zurückzunehmen und friedvoll und im Vertrauen zu empfinden: dein Wille geschehe,
    ist eine große Herausforderung.
    Deine Zeilen lassen mich an meine Cousine denken. Sie wurde von ihrer leiblichen Mutter verstoßen, als sie noch fast ein Baby war.
    Die Brutalität, die damals herrschte war unglaublich erschreckend. Meine Cousine wurde älter, wuchs viele Jahre bei unseren GroßElternicon auf , später lebte sie dann bei einer Stiefmutter und ihrem leiblichen Vater.
    So sehr hat sich das Kind und die Jugendliche nach Streicheleinheiten , Kuscheln und Wärme gesehnt, sie gesucht. Oft verzweifelt und mit vielen Tränen.
    Immer wieder hat sie es versucht, immer wieder wies die Mutter sie ab. Nee, sie wies sie nicht ab, sie bombadierte sie bei diesen Versuchen immer auf's Neue mit so schmerzhaften Worten und Taten.
    Heute ist meine Cousine 26 Jahre alt, und ich bin so stolz auf sie. Sie ist ein wunderbar feinfühliger Mensch, mit einem riiiieeeesengroßen Herz. Und sie geht taff ihren Weg, verdient gut, hat einen Partner der sie liebt, und den sie liebt.
    Ihre Mutter ?
    Sie hat die Sache abgeharkt, hat angenommen, daß es ist wie es ist. Und sie hat ihren Frieden gefunden. Sie verurteilt die Mutter nicht ( mehr ). Weiß, daß Dinge eben so sind wie sie sind , und das es gut und richtig so ist, wie es ist.
    Klar hätte sie es anders schöner gefunden, aber sie sieht sehr klar, das dies ihr Weg ist, eine große Möglichkeit zu lernen.
    Was mich besonders beeindruckt, sind nicht ihre Worte, sondern ihre Ausstrahlung und ihre Handlungen.
    Ich kann keinerlei Haß oder Verurteilung in ihr entdecken. Wow. -

    Grüße von Herzen,

    Biggi

  10. #25
    Carolin Curant
    Inspiriert

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    Liebe Biggi,

    das finde ich sehr schön!!

    Ja ich kann das sehr gut nachvollziehen! Jeder Mensch sucht sich seine Herausforderungen, um zu sich selbst zu finden. Wir lernen durch den Schmerz und wenn wir gelernt haben, haben wir auch die Liebe gefunden. Das finde ich sehr schön. Auch wenn zwischendrin weh tut.

    Ich spüre immer häufiger, hinter der Persönlichkeit der Menschen, ihre Seele.

    Bei meiner Pflegemutter habe ich es einmal sehr deutlich gesehen. In einer Meditationicon. Ihre Seele hat hell gestrahlt, sie war rein, reines Licht. Um die Seele herum war Dunkelheit, die fast das Licht der Seele verschluckt hat. Wie ein Mantel. Für mich war das eine Erkenntnis und das war der Anfang, meine Pflegemutter mit anderen Augen zu sehen. Es war ein langer weg, bis jetzt. Aber er hat sich gelohnt.

    Ich habe Achtung vor diesen Menschen, die WIRKLICH durch das ganze Leid ihr Herz geöffnet haben und die Liebe ausstrahlen.


    Danke.

    Liebe Grüße
    Carolin

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