Die Lichtung
Das Herz des Waldes
Vor langer langer Zeit gab es einen großen Wald in einem fernen Land. Der Wald war so groß, dass man Monate - wenn nicht Jahre - brauchte, um ihn zu durchqueren. Der Wald existierte schon viele Jahrhunderte von Jahren. Manche Bäume darin waren schon sehr alt, doch noch immer schafften es junge Bäume am Waldboden zu gedeihen. Die Tiere, die darin wohnten, waren scheu und selten zu sehen. Manch einer berichtete von seltsamen Kreaturen, die man nur aus der Fabel kannte.
In der Mitte des Waldes lag eine große Lichtung. Sie war das ganze Jahr mit unterschiedlichsten Wild- und Frühlingsblumen übersäht. Denn auf der Lichtung herrschte der Frühling.
Sie war an diesem Aprilmorgen früh aufgewacht. Verschlafen streckte sie ihre Glieder und gähnte herzhaft. Ihr Name war Elffi. Sie lebte mit ihrer Familie mitten im großem Wald.
Sie hatte drei Geschwister, einen Zwillingsbruder mit Namen Thilo, auch er war - wie sie - fünfzehn Jahre alt und eine jüngere Schwester Maja, sie schlief mit ihr im Zimmer. Der Älteste Bruder Malwin war auf Wanderschaft, kehrte aber bald davon zurück. Ihr Vater war von Beruf Holzfäller, ihre Mutter arbeitete nicht, sie erwartete bereits ihr fünftes Kind.
Elffi stand auf - ihr langes braunes Haar reichte bis zur Taille - und ging ans Fenster. Müde schaute sie sich mit ihren blauen Augen im Zimmer um. Maja schlief noch. Was für ein schöner Morgen, dachte sie und öffnete zugleich das Fenster. In dieser frühen Jahreszeit war es am Morgen noch recht frisch. Die Sonne ging gerade auf, alle Baumwipfel waren in ein goldenes Licht getaucht. Sie betrachtete ihre kleine Schwester liebevoll, wie friedlich diese doch im Schlaf aussah. Das war schnell vorbei, wenn Maja aufwachte, denn dann war sie ein totales Energiebündel. Phuu ist das kalt! Elffi rieb sich ihre Arme, leise schloss sie das Fenster. Sie zog ihren Rock ihre Bluse an und ging aus dem Zimmer. Zuerst lief sie in den Schuppen, um Holz für den Ofen in der Küche zu holen.
Schwer schnaufend kam sie in die Küche herein. Dort war ihre Mutter Ottilie dabei, den Tisch für das Frühstück zu decken.
Es war eine gemütliche robuste Wohnküche. Der Kamin lud ein, sich davor zu setzen, um schöne Stunden dort zu verbringen. Ein Bogen aus roten Bachsteinen spannte sich über der Öffnung des Kamins. Der Küchentisch war aus schwerem Eichenholz gezimmert. Eine Eckbank umschloss ihn von zwei Seiten. An der kurzen Seite war ein Fenster, von dem man in den Hof schauen konnte. Die Küche bestand ausserdem aus einem Ofen und einer Arbeitsplatte. Über den Ofen hingen Töpfe, Pfannen, Löffel, Messer und alles, was man zum Kochen brauchte.
„Ah gut, du hast schon Holz geholt“, sagte ihre Mutter.
„Ja, macht mir nichts aus“ antwortete Elffi, sie stellt den Korb mit dem Holz neben den Ofen.
„Guten Morgen“, ihr Vater Alwin kommt in die Küche herein.
„Morgen“ sagten Elffi und Ottilie. Alwin geht zum Ofen und schürt in an.
„Ich geh dann mal Maja und Thilo wecken“, sagt sie in die Runde.
Als Elffi in ihr Zimmer kommt, ist ihre Schwester schon auf, lachend springt sie ihr in die Arme.
„Wo warst du denn?“, fragt sie Elffi fröhlich.
Ihre kurzen blonden Locken umschließen ihr rundes kindliches Gesicht. Wie ein Engel, schießt es Elffi durch den Kopf. Verschmitz strahlen Majas wasserblauen Augen zu ihr hinauf.
„Ich war schon Holz holen, meine kleine Maus, es gibt jetzt Frühstück. Kannst du Thilo wecken, dann kann ich Mama unten in der Küche noch helfen.“
Ihre Mutter war schon fast fertig mit dem Frühstück. „Kannst du bitte noch schnell in den Stall gehen und ein paar Eier holen?“, fragte sie Elffi.


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