Lieber Matthias,
ich habe den von dir verschobenen Text gelesen, und er liest sich so selbstverständlich und stimmig, zumindest auf den ersten Blick.
Die Abschlußworte stammen aus einem Zitat von
Baba
, und sagen: Ihr könnt alles erreichen, wenn ihr Gott zum Freund habt.
Dies erinnert mich sehr an meine Mutter und den Weg, den sie gegangen ist.
Hürden und spitze Steine waren gut 30 Jahre lang auf dem Weg meiner Mutter, und natürlich mit ihnen immer wieder die von dir aufgeführten
Gefühle
von Ängsten, Zweifeln, Wut usw...-
Tatsächlich gelang es ihr, trotz vieler derber Schicksalsschläge, durch ihre Liebe und ihr Vertrauen in Gott, ihren Weg zu gehen, und wenn sie nicht gehen konnte, schickte Gott jene, die sie trugen, bis sie wieder gehen konnte.
Und genau diese Sätze: Mit Gott ist alles möglich, und mit Gott könnt ihr alles erreichen, waren Schlüsselsätze, die ihr Kraft gaben.
Sie traf Menschen, bei denen Unmögliches möglich geworden war, und wer sonst als Gott sollte dies bewirkt haben ( auch wenn die Menschen an diesen gar nicht so sehr glaubten).
Auch noch als die Ärzte ihr nahelegten in ein Hospiz zu gehen, hielt sie ganz fest an diesen Sätzen, aber dennoch hatte sich etwas verändert.
Lange Zeit hatte sie gesagt:
Ich will gesund werden, mit Gott ist alles möglich, also werde ich gesund, denn ich vertraue ihm ja grenzenlos, und dies wird mein Lohn sein.
Später sagte sie nur noch:
Es ist mein Weg, und ich gehe ihn mit Gott. Da hatte sie aufgehört zu kämpfen, hatte sich vielleicht zum ersten Mal wirklich hingegeben.
Ihr ICH WILL, war sichtbar zurückgetreten und eine
Ruhe
ging von ihr aus, oder dem was noch übrig war .
Erst kam mir der Satz:mit Gott kann ich alles erreichen,
wie eine Falle und eine Lüge vor, denn schließlich war meine Mutter trotz ihres Glaubens, und all der vielen Hilfen nicht gesund geworden.
Dann fiel mir auf, es hieß ich KANN, nicht ich erreiche alles. Alles ist möglich, aber es ist kein Muß.
So liegt es nicht in unserer Hand gegen die eigene Bestimmung zu wirken, auch wenn wir noch so sehr wollen, auch nicht mit Gott als Freund.
Aber es lohnt sich dennoch zu vertrauen, denn möglich ist eben alles, das durften wir mit eigenen Ohren hören, und mit eigenen Augen sehen.
Und was mich berührt hatte war, daß meine Mutter mit Gott als Freund an ihrer Seite etwas schaffte, was schier unmöglich schien:
Sie ging diesen unfaßbaren Weg in Würde, sie ging ihn aufrechten Ganges ohne je zu klagen, sie mobilisierte Kräfte, die unglaublich waren, sie lebte jeden Tag in voller Dankbarkeit und bewußt.
Ich hatte euch hier ja immer wieder teilnehmen lassen, habe euch einzelne Wegetappen geschrieben.
Mit Gott als Freund hat man die Kraft und Zuversicht jeden Weg zu gehen, auch wenn er noch so schwer ist.
Da werden Gefühle transformiert, der Weg wird als "für mich genau richtig" erkannt und was unmöglich erscheint, nämlich diesen Weg zu gehen, das ermöglicht Gott als Freund.
Daran mußte ich heute morgen denken, als ich deinen Text las lieber Matthias.
Mein Vater ging seinen Weg um so vieles schwerer und oft sah er vor Dunkelheit und Schmerz die Hand vor Augen nicht, und er war oft allein mit seinen Ängsten, seiner Verzweiflung, denn Gott als Freund lehnte er strikt ab.
So haben für mich die Sätze: Mit Gott kann ich alles erreichen und mit Gott ist alles möglich, eine andere Bedeutung bekommen.
Mein einstiger Ansatz:ich will und wenn ich nur fest genug an Gott glaube erfüllt sich jeder meiner Wünsche, das hat sich für mich als falsch erwiesen,
aber mit Gott als Freund ist es möglich jeden erdenklichen Weg zu gehen und zwar mit Würde und in der Liebe, das hat sich für mich überdeutlich gezeigt.
Ich wünsche dir einen sonnigen Sonntag,
von Herzen,
Biggi
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