kranker körper
von am 21.04.2011 um 06:35 (2044 Hits)
ihr Lieben,
heute Morgen hat mich etwas beschäftigt.
ich habe mir vorgestern und gestern einen Film über Irina Tweedy angesehen, jene Frau, die von einem Sufi in Indien auf ihrem Weg begleitet wurde, sich mit Gott zu verbinden. sie sagte etwas über die Wiedergeburt, das offensichtlich heute über Nacht mein ganzes Konzept über Geburt und Tod über den Haufen geworfen hat: wenn man aus dem Ozean einen Becher Ozean schöpft, ihn zurückgießt und sofort wieder einen Becher Ozean herausschöpft - kann man dann sicher sein, dass man genau dieselben Teile des Ozeans wieder herausschöpft? also kann man davon ausgehen, wiedergeboren zu werden als jene Seele, die man zu sein scheint?
ich hatte da bisher ein recht naives Bild, dessen ich mir nicht bewusst war. und zwar: ich werde zwar in einem anderen Körper und vielleicht auch in einer anderen Kultur wiedergeboren - aber natürlich mit genau den Anlagen, die ich mir so im Laufe meiner Leben "anlernte". immer weiter - bis zur Meisterschaft eben. und sehr diffus diese Meisterschaft. ich bin bis jetzt ebenfalls davon ausgegangen, meine Seele wäre hier, um zu lernen. ich glaubte an so etwas wie eine Individualseele, wohl verbunden mit allen anderen - aber eben doch meine Seele. Seelenwachstum und die damit verbundene Notwendigkeit ständig dazu zu lernen, eine Sache, die mir auch gehörig Druck machte.
bei diesem für mich viel einleuchtenderem Bild und den Erfahrungen der letzten Monate mit gnädigen Augenblicken von Alleins-Sein kann das aber nicht stimmen. meine Seele ist jede Seele ist Gott, ist jede nur erdenkliche Form von Gott - also was soll sie lernen, was sie nicht eh schon weiß?!
dann stellte ich mir natürlich die Frage, ja, und wozu dann das alles? wozu sind wir hier auf diesem wunderbaren Planeten, plagen uns die meiste Zeit so schrecklich ab mit so vielen Dingen und Gedanken und Bildern, können so wenig Freude daran finden, uns in unseren wunderbaren Körpern in dieser wunderbaren Umgebung zu tummeln?
mir scheint, es geht schlicht darum, diese Momente von Einheit als Wesen in unseren geschenkten Körpern auszudehnen, die uns als "Lichtblicke" auf unserem Weg geschenkt werden. der tiefere Sinn der Meditation wird sich mir erst erschließen, wenn ich sie praktiziere - das ist mir vor allem in meinen Fieberträumen mit den vielen schrillen, lauten Stimmen klar geworden. es ist kein Wunder, dass ich die leise Stimme meiner Seele nicht gehört habe. in meinem ganzen Körper sind Tausende von neuen und alten gespeicherten Stimmen, die mir einzureden versuchen, was ich zu tun und zu lassen hätte. täglich kommen neue hinzu. ebenfalls in einem Traum bin ich drauf gekommen, dass ich auf einen Menschen nur zugehen muss, und ich entwickle schon wieder Gedanken und Konzepte, die mit diesem Menschen zu tun haben, dem ich auch entsprechen will - es ist fürchtlich! diese Stimmen spiegeln nicht einmal meine eigenen Überzeugungen - es sind auch Stimmen dabei, die mir vollkommen widersprechen!!! und die mischen dann auch noch mit in diesem schrägen Konzert, machen Wirbel und Terror.
ich bin voller Zuversicht, in nächster Zeit kommt genau das auf mich zu, was ich benötige, um Mediationspraxis zu erwerben und zu vertiefen. plötzlich erscheint mir auch die Disziplin dafür als absolut notwendig, sie wird mir dienen. jetzt ist es mein Wunsch, aus mir heraus. ich bin dankbar für diese Zeit des Krankseins - sie leitet einen Neubeginn ein.
zuversichtliche Grüße an diesem Sonntagmorgen
Lisa
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: wenn man aus dem Ozean einen Becher Ozean schöpft, ihn zurückgießt und sofort wieder einen Becher Ozean herausschöpft - kann man dann sicher sein, dass man genau dieselben Teile des Ozeans wieder herausschöpft? also kann man davon ausgehen, wiedergeboren zu werden als jene Seele, die man zu sein scheint?





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